Wie geht es weiter in der Coronakrise?

Meine Arbeit im Bereich der experimentellen und angewandten Archäologie soll Menschen unmittelbar berühren. Erlebnisse und Aha-Momente schaffen, neue Erkenntnisse bieten und Lebensfreude stiften.

Veranstaltungen zum Thema EssKultur machen virtuell wenig Sinn. Es fehlt das Sinneserlebnis. Kein Geschmack. Kein Fühlen. Nur hören und Pixel-Sehen? Das ist zu wenig. Leider.

Virtuell auf digitalen Plattformen ist die Vermittlung von Genuss nicht möglich. Die Corona-Pandemie lässt mich daher innehalten und mich als auch meine Berufung neu überdenken.

Auch Vorträge, Workshops und Führungen leben von den Reaktionen und Interaktionen mit echtem Publikum.

In den sozialen Medien und im Internet werden wir derzeit mit digitalen Formaten überschüttet und mit Informationen überhäuft. Und sollen möglichst 24 Stunden vor dem Computer stillsitzen. Kein Mensch kann sich diese Reizüberflutung lange antun ohne Kopfschmerzen zu bekommen, und ohne sich die Augen kaputt zu machen.

Virtuelle Rundgänge durch Museen habe ich nun einige mitgemacht. Es hat mir nicht gefallen. Bis sich Bilder und Texte lesbar zeigen, dauert es eine Ewigkeit. Immer wieder funktionieren die Systeme nicht. Es ist wie „wegbeamen“ in eine andere Realität. Aber da wo wir sitzen, spielt das Leben. Unser Hirn ist in Aktion, der Rest vergammelt. Anthropologen würden jetzt sagen: was nicht mehr gebraucht wird, bildet sich zurück. Die Prognathie und der Schwanz beim Affen. Die Zähne, wenn nur noch Weiches gegessen wird. Das Hirn, wenn es nicht mehr durch Bewegung intakt gehalten wird…

Der Körper stirbt langsam ab. Die Beine werden taub. Der Rücken steif. Die Augen sind übermüdet.

Webkonferenzen und Video-Meetings als Lernstoff für klar definierte Zielgruppen, die für die Nutzung vorab gezahlt haben, sind in diesen Zeiten eine gute Sache. Aber nicht für EAT HISTORY und auch nicht für mein Pressebüro. Wer bezahlt einem freien Journalisten dafür, dass er Informationen ins Netz stellt? Keiner. Selbst Verlage haben Schwierigkeiten ihren Pay-Content an Abonnenten zu verkaufen. Gastronomen, die aus der Not selbst einen Lieferservice aus dem Boden stampfen wollten, ging es ähnlich. Lieferando & Co. haben sie abgezockt. Es bleibt nichts zum Leben hängen.

Also, lassen wir das.

Momentan bin ich gesättigt. Vollgestopft von all dem, was täglich auf mich einwirkt. Corona-Live-Ticker mit Zahlen der täglich neu an Covid-19 erkrankten Menschen. Die Zahl der Toten steigt still vor sich hin. Die Lockerungen werden von vielen so aufgenommen, als sei alles wieder beim Alten. Kein Abstand, kein Mundschutz. Corona-Partys, die gereizte Menschen feiern, weil sie die Zeit mit sich selbst nicht ertragen. Existenznot. Die Fixkosten werden weiter fällig, auch wenn nichts in die Kasse kommt. Künstler und Kulturschaffende sind verzweifelt.

No Events

Solange nicht eindeutig klar ist, wie Events in der Corona-Krise wieder wirtschaftlich durchführbar sind, können sie nicht stattfinden. Ins Blaue hinein zu planen, macht wenig Sinn. Jedenfalls für mich. Genießen ohne Genuss? Wie soll das gehen? Auf Abstand in einem Raum sitzen und einer Lesung, oder Musikveranstaltung beiwohnen? Geht, doch ein mulmiges Gefühl bleibt. Aerosole wehen durch die Luft. Was, wenn doch ein infizierter Mensch „dabei“ war? Und wir diesem zu nahegekommen sind? Ist es das wert? Gerade ältere Menschen, die gesundheitlich geschwächt sind – zu dieser Gruppe zähle ich – können sich das nicht leisten.

Also was tun?

Ich mache eine kreative Pause. Und beschäftige mich intern mit dem Neustart. Mit Buchprojekten, die schon lange überfällig sind. Mit der Vorbereitung von Vorträgen, der Planung von möglichen Workshops. Der Aufbereitung von Text und Bildmaterial. Mit dem Nachkochen römischer Rezepturen. Ich werkele in meinem historischen Kräutergarten, in dem so manches Kraut der Römerzeit und des Mittelalters wächst. Ich genieße die Ruhe.

Und wenn es dann wieder losgeht, bin ich der Phönix, der aus der Asche aufersteht.

 

Gedanken im Zeitalter von Corona

Petra Pettmann M.A.

Journalistin DJV, Archäologin, Anthropologin