Auf den Spuren der Trichterbecher-Leute

Im Rahmen der Entdeckertouren des Biosphaeriums Elbtalaue ging es in den Schieringer Forst zu den Megalithgräbern der Trichterbecherkultur. Es war eine spannende Reise in eine längst vergangene Zeit. Zu den ersten sesshaften Viehzüchtern und Landwirten, die sich in der Region südwestlich der Elbe niederliesen und dort auch auf dem Geestrücken so einige Megalithgräber errichteten. Meist waren diese ost-westlich ausgerichtet. Teils um die 60 Meter lang und um die 7 Meter breit. Mit Eingang im Süden, oder am Ende eines Ganggrabes. Kleinere Dolmen, Ganggräber mit Steinkammer, oder Holzkammern, sie alle sind hier zu entdecken.

Schön ist auch der herrliche Buchenmischwald, durch den sich idyllisch Trampelpfade bis zu den einzelnen Anlagen schlängeln. Kiefern und Birken stehen im Wald. Waldmeister wächst auf dem Boden. Aufmerksame Menschen sehen und riechen so manches, wenn sie durch diesen Wald gehen.

An dem ersten Großsteingrab angekommen, spürt man die Energie dieses besonderen Platzes. Zwar sind schon einige der großen Steine, die die Gletscher der letzten Eiszeit hier hinterlassen haben, verschwunden. Aber man kann sich immer noch gut vorstellen, wie diese Anlagen, in denen die Menschen der Trichterbecherkultur in der Zeit von 3500 bis 2800 v. Chr. ihre Toten bestatteten aussahen.

Durch Grabungen aus dem 19. Jahrhundert weiß man welche Keramik und welche Funde es gab. Leider sind diese oft verschollen. Und was mich sehr traurig stimmte: die meisten Grabanlagen, die es auf dem gesamten Geestrücken bis zur Endmoräne am Großen Drawehn gab, wurden zerstört. Von Menschen gesprengt und an andere Orte gebracht. Für den Bau von Häusern, Dämmen, Bahntrassen, Straßen etc. Jahrtausende lagen sie friedlich und geachtet in der Landschaft. Wurden von Nachfolgekulturen als Orte zum Bestatten genutzt. Unserer heutigen Kultur ist nichts mehr heilig. Und viele Grabungen haben mehr zerstört, als Gutes getan.

Wenn man genau hinschaut, sieht man die Grabkammer, kann sich vorstellen, wie diese mit Geröllen, gebranntem Feuerstein und Lehmboden- und Wänden ausgekleidet war. Wie die Menschen in gemeinschaftlicher Leistung ihre Kollektivgräber mit einfachsten Mitteln in wenigen Wochen errichteten. Mit Holzstämmen, Seilen und vorgespannten Ochsen. Denn es waren Rinderzüchter aus dem Norden. Vormals der Ertebölle-Ellerbek-Kultur zuzurechnen, die noch nicht sesshaft waren, sondern an den Küsten vom Fischfang, von der Jagd und vom Sammeln lebten. Keramik kannten diese anfangs um 5500 v. Chr. noch nicht. Mit ihren Rindern zogen sie durch die Gegend, wurden irgendwann sesshaft, breiteten sich aufgrund des Klimawandels immer mehr in südlicheren Gefilden aus.

Zu Beginn der Trichterbecherzeit kannte man die Bestattungsform der Megalithgräber noch nicht. Vielleicht bestattete man die Toten nach Art der mittelneolithischen Kulturen in einfachen Körpergräbern? Wie etwa um 4900 v.Chr. in der Groß-Gartacher Kultur mit Muschelschmuck, Steinbeilen, Silices und halben Rinderhälften über dem Körper? Befunde die mich beim Ausgraben eines solchen Gräberfeldes im hessischen Trebur sehr beeindruckt haben.

Hockerbestattungen waren im Jungneolithikum die Regel. DNA-Analysen jüngerer Ausgrabungen zeigen verwandschaftliche Bande unter den Bestatteten, aber auch, dass die Trichterbecher-Leute direkt von den Jäger und Sammlern der Ertebölle-Kultur abstammten.

Eine Reise in die Vergangenheit ist eine spannende Sache. Wenn man sich darauf einlässt.