Rezension: Die Alte Welt – Von Land und Meer, Herrschaft und Krieg, Mythos, Kult und Erlösung

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Abb.: wbg, Philipp von Zabern

„Geschichtliche Zusammenhänge auf den Punkt gebracht, miteinander vernetzt und logisch schlüssig interpretiert. Ein geniales Lebenswerk!“

Leseprobe: https://www.wbg-wissenverbindet.de/14883/die-alte-welt

Rezension als PDF: Rezension_Die Alte Welt_WBG-Zabern Verlag_Petra Pettmann_30-05-2019

Eine Rezension von Petra Pettmann M.A., Journalistin, Archäologin, Anthropologin

Das Buch „Die Alte Welt“ von Althistoriker Pedro Barceló, erschienen im Phillipp von Zabern Verlag (WBG) im Februar 2019 (Preis: 35,00 €), vermittelt auf 704 Seiten mit 71 Illustrationen (schwarz-weiß) und 10 Kartierungen ein Panorama der politischen, ökonomischen, sozialen und religiös-kulturellen Entwicklungen der Antike und zeigt auf wie diese auch heute noch unsere Welt maßgeblich prägen. Es ist als Buch, eBook EPUB und PDF erhältlich.

Im Werk vereint ist das über viele Jahre erlangte Wissen des Historikers, der seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen in Form einer Mischung aus Einzeldarstellungen und historischer Synthesen vereint und als Beispielcharakter der Antike ein Labor für vergangene Ereignisse dient. Menschliche Grenzsituationen und periodisch auftretende Krisenlagen werden analysiert und nehmen auch heute noch eine Vorbildfunktion für die zivilisatorische Entwicklung unserer Zeit ein.

Die thematisierten Episoden greifen das Geschehen des klassischen Altertums auf, wie etwa der Hellenen, Perser, Punier, Juden, Römer, Iberer, Kelten und Germanen. Analoge politische, ökonomische, soziale, Religiöse und geistige Maßstäbe und Wertvorstellungen ergeben ein zusammengehörendes Ganzes – eben unsere Alte Welt. Ebenso lassen sich auch die auf griechischem und römischem Boden entstandenen Verfassungsentwürfe und Staatsformen auf die Bindewirkung der Antike zurückführen, die die Grundlagen der politischen Architektur und Denkvorstellungen der Moderne bilden. Selbst Begriffe wie Universalität und Globalisierung sind nicht neu und schon gar keine Schöpfung unseres Jahrhunderts: ihre Wurzeln reichen bis in die Antike und meiner Meinung nach weit darüber hinaus. Gemeinsame Vorstellungen vom Göttlichen, von Herrschaft, Gewalt und Macht analysiert Barceló präzise und öffnet uns damit die Augen für das Geschehen der Gegenwart.

Der Autor Prof. Pedro Barceló (geb. 1950) war bis 2015 Professor für Geschichte des Altertums an der Universität Potsdam. Innerhalb der griechisch-römischen Antike beschäftigte sich Barceló vor allem mit der Geschichte von Religion und religiösem Wandel und der Rolle des Christentums. Wertvolle Hilfeleistungen und Anregungen aus dem Kreis seiner Mitarbeiter und Doktoranden ermöglichten es, dass dieses umfassende und geniale Werk zustande kommen konnte. Der Dank des emeritierten Professors gilt auch der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt. Was wohl daran liegt, dass die WBG in heutiger Zeit noch derart tiefgründige Bücher veröffentlicht, die aufgrund ihrer Komplexität uneingeschränkte Aufmerksamkeit verlangen und damit nicht dem seichten Mainstream folgen.

Pedro Barceló ist für mich der Sloterdijk der Geschichtswissenschaftler. Seine Sprache ist derart komplex und faszinierend, bringt sie doch geballte Information in langen Schachtelsätzen so präzise auf den Punkt, dass das Lesen des Textes eine wahre Freude ist. Keine leichte Kost, dafür aber von künstlerischem Wert und wohltuend für jede Wissenschaftler-Seele, die den Anspruch erhebt mehr Wissen zu wollen, als es ihm die Lektüre der meisten zeitgenössischen Kurz-Publikationen ermöglicht. Jeder Satz, jeder Absatz, kann für sich alleine stehen und öffnet Blickwinkel in die Alte Welt, erklärt Zusammenhänge, untermauert diese mit antiken Zitaten, archäologischen Forschungsergebnissen, interpretiert diese, knüpft Verbindungen, lässt uns Aufhorchen und kritisch hinterfragen, lässt den Leser erkennen und seinen Horizont erweitern.

Dabei transportieren die Gedankengänge des Historikers fundiertes und interdisziplinäres Wissen mit einer Leichtigkeit, die jeden Geschichtswissenschaftler erfreut. Und auch interessierten Laien, die sich nicht nur für das Hier und Jetzt, sondern auch für die Wurzeln unserer modernen Zivilisation interessieren, ist das Buch „Die Alte Welt“ ein nützliches Werk um Entwicklungen, die unser Dasein heute prägen, zu verstehen. Wie vernetzt war die Alte Welt? Was geschah wirklich und wie wurde es überliefert? Was können wir daraus für unser heutiges Handeln lernen? Wer waren die Machtmenschen des Altertums? Wie entstanden Religionen? Warum sind römische Kaiser wie Constantin dafür verantwortlich, dass sich das Christentum überhaupt ausbreiten konnte und welche politischen Ziele standen dahinter? Wurde die Offenheit der Römer ihr Verhängnis? Die Kapitel „Kult und Erlösung“ wie auch „Monotheismus als politisches Problem“ spricht auch solch heikle Themen an, und erklärt ausführlich wie es dazu kam.

Zwar stellen die einzelnen Kapitel wie der Autor selbst es bezeichnet nur „vereinzelte Beobachtungen und Teilerkenntnisse zu einem Bild der Antike“ dar, sind also nur kleinste Mosaiksteinchen eines großen Ganzen, welches wir mangels schriftlicher und archäologischer Quellen wohl nie in seiner Gesamtheit erfassen können, und die aufgrund von Quellen, die das Selbstbild und die Philosophie einzelner Individuen, Staaten und Systeme vertreten ideologische Färbungen aller Couleur angenommen haben, und doch helfen sie uns unsere heutige Welt besser zu verstehen und die Folgen unseres Tuns besser einzuschätzen. Sie schärfen den Blick Sachverhalte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, um möglichst nah an das tatsächliche Geschehen heranzukommen und – heute würde man sagen „Fake News“ und „Marketing Lügen“ der Gesellschaft und Machthaber zu entlarven und mit eigenem Sachverstand entgegen zu treten.

Ein Buch von unermesslicher Bedeutung für das Verstehen von Zusammenhängen, die unsere Welt und Kultur formen. Dabei immer objektiv und nie missionarisch verfasst. Nur eine kleine Kritik sei mir erlaubt: Ich hätte mir gewünscht, dass die Erkenntnisse, die wir aus den vorderasiatischen Hochkulturen bereits erforscht haben, mehr Einfluss in die Betrachtungen genommen hätten. Wie so oft beginnt die Alte Welt für Geschichtswissenschaftler erst mit den Griechen und den Römern, die nachweislich nicht die Erfinder der komplexen Herrschaftsstrukturen, von Gesetzen, urbanen Städten, Machtstrukturen, Handelsformen und der Entwicklung der Schrift, u.a. waren.

Mit 704 Seiten und einem Gewicht von 1,2 Kilo ist aber auch dieses Werk bereits eine Herausforderung in geistiger und körperlicher Weise, da man es kaum länger als wenige Minuten in der Hand halten kann, sei denn man ist Bodybuilder und liest gerne solche hochkomplexen Bücher.

Zum Glück ist das Buch auch als E-Book und PDF erhältlich. Aufgrund des massiven Gewichts ist dies eine echte Alternative. Bei Lektüre in elektronischer Form hätte ich dann nicht immer wieder in den Kapiteln hin und her schlagen können und mir Anmerkungen in Form von Unterstreichen, Notizen, Klebezetteln und Markierungen vornehmen können. Dieses Buch muss man in der Hand halten, oder besser noch auf ein Lesepult legen und täglich einige Seiten daraus im Stehen lesen, um diese dann in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Man könnte auch interessierten Menschen Absatz für Absatz daraus vorlesen um im direkten Anschluss darüber gemeinsam zu sprechen. Wie aus einer Bibel…

Fazit: Das Buch „Die Alte Welt“ von Pedro Barceló zu lesen lohnt sich und verändert die Sichtweise auf alles, was wir zuvor gedacht und getan haben.

  1. Mai 2019

Gesunder Garten durch Mischkultur

REZENSION

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Coverbild: oekom verlag

Eine Rezension von Petra Pettmann M.A.

Das Buch „Gesunder Garten durch Mischkultur – Gemüse, Blumen, Kräuter, Obst“ von Brunhilde Bross-Burkhardt greift das Wissen der Pionierin des biologischen Gartenbaus auf. Gertrud Franck (* 25.9.1905; gest. 18.4.1996) entwickelte in den 1940er Jahren ein eigenes Mischkultursystem: die Reihenmischkultur mit integrierter Fruchtfolge, Gründüngungssaaten und Flächenkompostierung. Auf dem eigenen landwirtschaftlichen Saatzuchtbetrieb auf der Oberlimpurg bei Schwäbisch Hall bewirtschaftete sie zusammen mit den Angestellten des Betriebes und Lehrlingen in der Hauswirtschaft einen etwa ein Hektar großen Gemüse- und Obstgarten.

Dieses Mischkultursystem wird nun von Brunhilde Bross-Burkhardt nach Gertrud Francks Anleitung für heutige Gärtner und Gärtnerinnen aufbereitet, wobei die Herausgeberin sich eng an das Original hält und nur zum besseren Verständnis inhaltlich eingreift.

Die Mischkulturversuche mit Wiederholungen wurden in der damaligen Zeit auch von anderen Landwirten praktiziert, jedoch nicht mit dieser fast wissenschaftlichen Beobachtungsgabe. In der Nachkriegszeit ging es vor allem darum gesundes Gemüse zur Eigenversorgung so anzubauen, dass der Boden nicht auslaugt und immer wieder Obst und Gemüse auf der gleichen Fläche geerntet werden konnte. Es war die Zeit vor dem Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern, in denen die Landwirte ihr in Jahrtausenden von Jahren erlerntes und von Generation zu Generation weitergegebenes Wissen anwendeten. Ganz ohne an „Nachhaltigkeit“ und „Bio“ zu denken. Denn damals bestellten noch alle Landwirte ihre Äcker nachhaltig und wertschätzten die Natur. Jedenfalls kann ich mich selbst noch gut daran erinnern, dass mein Großvater auf unseren Ländereien die Reihenmischkultur mit integrierter Fruchtfolge ganz selbstverständlich anwandte und jedes Unkraut noch mit einer Hacke händisch ausgerupft wurde. Gertrud Franck jedoch wusste ihr Wissen in Bild und Schrift festzuhalten und auch in Vorträgen und bei Gartenführungen weiter zu geben.

Jedenfalls hat die Bioszene das Wissen von Gertrud Franck für sich entdeckt und Brunhilde Bross-Burkhardt startet mit der ergänzten Neuauflage des bereits 1980 erschienenen Buches von Gertrud Franck im Februar 2019 den Versuch verantwortungsvolles Handeln und grundlegendes Wissen wieder in die Köpfe von Hobbygärtnern und Profigemüseanbauern zu pflanzen. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen.

Die Neuauflage basiert auf der 8. Auflage von 1991 und beschreibt ein geschlossenes Mischkultursystem, welches sich nahezu aus sich selbst heraus erhält. Dabei erklärt sie welche Pflanze mit welcher Pflanze harmoniert hinsichtlich Platzbedarf, Zeitanspruch und Räumen des Platzes, damit andere Kulturen nachfolgen können und sich die Pflanzen gegenseitig schützen. Nichts geht verloren im Jahresverlauf und alles wird dem Kreislauf wieder zugeführt. Unkräuter sind keine Unkräuter, sondern nützlich und zeigen an auf welchem Boden man gärtnert. In alten Bauerngärten, die es leider kaum noch gibt, ist noch gut zu erkennen, worauf es ankommt. Der Gemüseteil bildet die Hauptsache, die Ränder sind mit Blumen bepflanzt. Staudenrabatte umschließen den Garten, Beeren und Schmucksträucher stehen am Zaun. Gertrud Franck macht deutlich, dass Schädlinge und Pflanzenkrankheiten Kulturfehler anzeigen und ein in Mischkultur angelegter Garten mit seinen Pflanzen- und Tieren, Mikroflora und Mikrofauna selbst für den nötigen Ausgleich sorgen kann. Ganz ohne Chemie.

Wer wieder einen richtigen Nutzgarten anlegen möchte und dabei Wert auf biologisches Gärtnern legt, für den ist das Buch „Gesunder Garten durch Mischkultur“ ein wertvoller Begleiter. Allerdings muss man das Buch am Stück lesen, denn es ist nicht wirklich leserfreundlich aufbereitet. Zwischen den Zeilen kommen immer wieder Weisheiten ganz unscheinbar daher, die man bei oberflächlichem Lesen leicht übersieht. Sehr nützlich sind die Abbildungen eines Mischkulturengartenplanes anhand derer man die richtigen Abstände und Kombinationen nachvollziehen kann.

Fazit: Ein absolut nützliches Buch. Für alle, die einen Mischkulturengarten anlegen möchten von unschätzbarem Wert.

Autoren: Gertrud Franck, Brunhilde Bross-Burkhardt

Erschienen: Februar 2019

Seitenzahl: 176 Seiten

Verlag: oekom Verlag

Preis: 24,00 €

ISBN: 978-3-96238-101-1

Erhältlich als: Buch, e-Book

Leseprobe

 

Dies ist eine Rezension von Petra Pettmann M.A.

PDF-Download: 2-2019_Rezension_pet

Archäologin, Anthropologin & Journalistin DJV, März 2019