Das Frankenland und seine Klöße – eine Wissenschaft für sich

 

So manche „G’schichtla“ wird über die Zubereitung der „Klöß“, „Kniedla“ oder „Klüeß“ aus dem Frankenland erzählt. Eingehend mit der heimischen fränkischen Kulinarik hat sich die Kochbuch-Autorin und Genussbotschafterin Kerstin Rentsch aus Kleintettau im Landkreis Kronach beschäftigt.

Kerstin Rentsch hat uns auf ihrer „Finkenburg“ willkommen geheißen. Wir haben zusammen „Grüne Klöße nach Frankenwälder Art“ zubereitet.

 

Hätten wir gewusst, dass die Zubereitungszeit gute zwei Stunden braucht, um für unsere hungrige Journalistentruppe die nötige Anzahl von Kartoffeln zu schälen, zu reiben und Klöße daraus zu machen, hätten wir uns beim Spaziergang in der Rennsteig-Region nicht so viel Zeit gelassen. Aber auch das Picknick mit frisch gebackenem Brot und einem traumhaften Kochkäse mitten im Wald war herrlich.

 

Zurück im wunderbar und mit viel Liebe dekorierten Heim von Kerstin Rentsch auf einer sanften Anhöhe und herrlichen Wiesen und Wäldern drum herum konnten wir uns kaum satt sehen.

Doch dann ging es endlich in die Küche.

Fraenkische Kloesse_016_pet

Die Zutaten: Pro Person 2 – 3 große Kartoffeln, Salz, Wasser, altbackenes Weißbrot, Butter

 

Die einen schälten Kartoffeln, die anderen schnitten das Weißbrot vom Vortag. Ein Drittel der Kartoffeln wurde geschält und gekocht, der Rest roh gerieben und ausgepresst. Das stärkehaltige Wasser haben wir aufgefangen, da man es später noch zum Andicken der Kartoffelmasse braucht. Sobald die gekochten Kartoffeln weich waren, hat Marion sie durchgepresst und wieder ins Kochwasser getan bis die Masse leicht kocht. Den besten Einsatz hat unsere Brigitte-Redakteurin gebracht. Hut ab!

 

Die restlichen geriebenen rohen Kartoffeln, die wir in einer Schüssel mit der Kartoffelstärke gut vermengt haben, bekommen nun Gesellschaft von der heißen Kartoffelmasse und mit ihr wieder kräftig durchgerührt. Eine schweißtreibende Arbeit, bei der man viel Kraft braucht. Denn am Rennsteig benutzt man hierfür einen hölzernen Quirl, der aus der obersten Baumverzweigung einer Fichte, oder war es eine Tanne (?) stammt und entsprechend schön verzweigt ist. Wie ein natürlicher Quirl eben. Es wird solange gerührt, bis die Masse sich gut abbindet. Zwischenzeitlich wurden die etwa 1-2 cm großen Weißbrotwürfel von einem Baguette mit viel guter Butter in einer Pfanne goldgelb gebraten und gewürzt. Der Tisch ist bereits liebevoll gedeckt.

Nun formen wir gemeinsam die Klöße und in die Mitte kommen immer ein paar Semmelbrösel. Behutsam werden die Klöße sodann in das noch heiße Wasser in den Topf gelegt und bei abfallender Hitze (nicht mehr kochen lassen!) etwa fünfzehn Minuten gar ziehen lassen.

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Die fränkischen Klöße haben wir mit megazartem Fleisch vom Hochlandrind gegessen. Diese weiden direkt vor der Haustür von Kerstin Rentsch. Und wieder hat es ganz anders und wunderbar geschmeckt.

 

Wer selbst mal mit Kerstin Rentsch fränkisch kochen möchte, kann dies in ihren Koch- und Backkursen gerne tun. Oder bestellt sich bei ihr einfach die Kochbücher „Mit Leib und Seele“ und „Genusswege – Kochen und Backen im Oberen Frankenwald“ und probiert es selbst.

 

In ihrem Hofladen kann man Freitagnachmittags ihre hausgemachten Spezialitäten kaufen. Den Kochkäse, Marmeladen und vieles mehr. Lecker!

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Mich hat der liebevoll gestaltete Garten von Kerstin Rentsch verzaubert. Man muss ihn mit eigenen Augen gesehen haben: so viele Details. Arrangiert aus alten Gegenständen aus ihrer Kindheit: alte Möbel, Geschirr, Schuhe, Kleidung, Spielzeug und viel Grün rankt sich über die Jahre und verleiht Patina. Blätter fallen in Sammeltassen auf dem gedeckten Tisch im Freien und überdauern so die Jahre. Alles darf bleiben wie es ist und die Zeit nagt genüsslich daran.

 

Text und Bilder: Petra Pettmann M.A.

 

 

 

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