Goethes Großvater Friedrich Georg Göthé & die Pettmänner

Walther, Cornelia
~ Frankfurt 27. IX. 1668
† Frankfurt 26. III. 1754
Göthé, Friedrich Georg
~ Cannawurf 6. IX. 1657
† Frankfurt 10. II. 1730

Oft liest man, dass Johann Wolfgang Goethe eine wahre „Gasthofphobie“ hatte. Diese wurde ihm von seinem Vater Johann Caspar Goethe vererbt. Geschuldet ist diese Phobie seinem Urgroßvater, Friedrich Georg Göthé, der am 6. September 1657 im thüringischen Dorf Kannawurf – nur 50 Kilometer von Weimar entfernt – als Sohn eines Hufschmieds in einfachsten Verhältnissen geboren wurde und bis 1730 als Damenschneidermeister und späterer Gasthalter des Hauses „Zum Weidenhof“ auf der Frankfurter Zeil, in Frankfurt am Main lebte. Dieser gehörte allerdings seiner Frau Cornelia Walther, die ihn von ihrem verstorbenen ersten Mann Johannes Schellhorn erbte und auch selbst betrieb. Der Gasthof war das vierte Haus am Platz in der Reichs- und Messestadt Frankfurt am Main, die nicht nur bei Kaiserkrönungen von internationalem Publikum überlaufen war.

Friedrich Georg Göthé starb am 10. Februar 1730, also 19 Jahre vor Johann Wolfgang Goethes Geburt. Durch Unterlagen zur Erbteilung von Johann Wolfgang Goethes Großvater, als auch der Leichenrede, die 1730 bei der Beerdigung des Großvaters gehalten wurde, sind interessante Fakten zutage gekommen. Diese liegen heute im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar. Diese Unterlagen ließ sich Johann Wolfgang Goethe nach Weimar schicken, als er an seiner Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“ schrieb. Was das Interesse am Großvater bekundet. Doch namentlich wurde er im Werk nicht erwähnt.

Großvater Friedrich Georg Göthé (* 06.09.1657, gest. 10.02.1730) lernte das Schneiderhandwerk und zieht als Geselle durchs Reich, gelangt in die Seidenstadt Lyon und wird zum Meister in der Damenschneiderei. 1686 kommt er nach Frankfurt zurück.

Durch die Heirat mit Cornelia Walther (geb. 27.09.1668, gest. 26. März 1754 in Frankfurt am Main), seiner zweiten Frau, der Tochter eines Frankfurter Schneidermeisters, wurde der tüchtige Mann, der mit nichts begonnen hatte, erst recht zu „einem reichen Mann“ und zu einem der wohlhabendsten Bürger Frankfurts – denn sie brachte außer dem Gasthaus „Zum Weidenhof“ noch zwei Wohnhäuser mit in die Ehe.

Friedrich Georg Göthé gilt als der „Karl Lagerfeld seiner Zeit“. Als er sich 1687 in Frankfurt am Main als Schneidermeister niederlies, versteuerte Goethes Großvater Friedrich Georg ein Vermögen von etwa 15 000 Euro. Bei seinem Tod im Jahr 1730 betrugen die Aktiva, also das reine Barvermögen samt Außenständen etwa 4,5 Millionen Euro. Dazu kamen Grundbesitz, ein wertvoller Weinkeller (mit vielen Tausend Liter kostbaren Weins), allerlei kostbare „fahrbare Habe“. Nicht eingerechnet ist das Vermögen von Friedrich Georgs Ehefrau Cornelia, geb. Walther.

Der aus den Zentrum des Luxus (Lyon) kommende Couturier arbeitete in Frankfurt am Main für benachbarte Höfe wie den Hessen-Darmstädtischen. Selbst hohe unbezahlte Rechnungen, ausgerechnet von der Familie Textor, in die sein Enkel später einheiratete, konnten ihn nicht aus der Bahn werfen – jahrelange Prozesse können in Gerichtsakten nachverfolgt werden. Friedrich Georg verlor den Prozess gegen die Textors. Doch sein Sohn holte sich durch die Heirat mit einer „Textor“ wieder alles zurück.

Cornelia Walther (17.09.1668 Ffm, gest. 26.03.1754 Ffm), die in ihrer ersten kinderlosen Ehe mit Johannes Schellhorn, gestorben am 16.09.1704, verheiratet war, welcher Bürger und Gasthalter des Gasthofes „Zum Weidenhof“ auf der Zeil in Frankfurt war, heiratete in zweiter Ehe Friedrich Georg Göthé (* 06.09.1657, gest. 10.02.1730), den Großvater Johann Wolfgang und Cornelia Goethes. Cornelia und Friedrich Georg hatten drei Kinder. Eines davon ist Johann Wolfgang Goethes Vater Johann Caspar, eine Tochter hieß wie ihre Schwester „Anna Sybilla“ Goethe.

Sein Sohn, der studierte Jurist Johann Caspar Goethe setzte die latinisierende Version mit „oe“ endgültig durch, nachdem Großvater Friedrich Georg sich während eines mehrjährigen Aufenthalts in der Seidenstadt Lyon elegant „Göthé“ schrieb.

Johann Caspar Goethe, der Vater des Dichters (* 29. Juli 1710 in Frankfurt am Main, gest. 25. Mai 1782 Ffm), startete dank seines Vaters Friedrich Georg Göthé als reicher Mann ins Leben. Da der Vater Friedrich Georg ihn studieren und promovieren ließ, konnte er in den obersten von fünf Ständen der Reichsstadt aufrücken. Sein Vater hatte fast ganz unten, im vierten Stand begonnen. Ein rapider Aufstieg in nur dreißig Jahren, gegründet auf geschäftlichem Erfolg, abgeschlossen durch Bildung.

Johann Caspar Goethe hat sich nach dem Tod seines Vaters (10.02.1830) und der Mutter Cornelia Göthé, geborene Walther, verwitwete Schellhorn (1668 – 1754), gest. am 26. März 1754 in dem großzügigen Haus seiner Eltern eine eigene Welt aus Kunst und Wissenschaft errichtet. Nach dem Tod von Mutter Cornelia baute er es zu einem kleinen Stadtpalast um. Der Hirschgraben wurde eine Art Buddenbrook-Haus, wo das Vermögen der Vorfahren behaglich verzehrt wurde. Zudem war der Keller des Hauses am Großen Hirschgraben als Friedrich Georg 1730 starb mit Weinfässern gefüllt. Was nicht verwundert, war Cornelia, die ja immerhin 24 Jahre länger lebte, als Friedrich Georg, doch Eigentümerin des rennomierten Gasthauses „Zum Weidenhof“ auf der Frankfurter Zeil, welches nur 5-Gehminuten vom Hirschgraben entfernt lag.

Obwohl Johann Wolfgang Goethe durch das vererbte Vermögen des Großvaters Friedrich Georg und seiner Großmutter Cornelia Göthé ein gutes Leben als Student führen konnte, da dieser zu den wohlhabendsten Bürgern Frankfurts zählte, wollte der Dichterfürst Goethe nicht über seinen väterlichen Großvater schreiben und hat ihn in seiner „Dichtung und Wahrheit“ kaum erwähnt.

Lediglich im 1. Teil, 2. Buch heißt es: „Es sei mir nur leid, dass der gute Mann schon so lange gestorben, denn ich habe mich auch in persönlich zu kennen öfters gesehnt, sein Bildnis vielmals betrachtet, so sein Grab besucht und mich wenigstens bei der Inschrift an dem einfachen Denkmal seines vorübergegangenen Daseins gefreut, dem ich das meinige schuldig geworden.“ Und weiter: „Ich hatte von meinem Großvater wenig reden hören, außer dass sein Bildnis mit dem meiner Großmutter in einem Besuchszimmer des alten Hauses gehangen hatte, welche beide, nach Erbauung des neuen in einer oberen Kammer aufbewahrt wurden.“

Eine Gedenktafel für den Schneidermeister Friedrich Georg Göthé wurde an der Stelle seines ehemaligen Hauses „Am Goldenen Rad“ am Kornmarkt 8 in Frankfurt am Main angebracht. Dieses wurde spätestens Ende des 18. Jahrhunderts niedergelegt. Bis zum 28.05.1947 befand sich auch eine Gedenktafel  an der Stelle des 1843 abgerissenen Gasthauses „Zum Weidenhof“ auf der Zeil, welches Johann Wolfgang Goethes Großmutter Cornelia Göthé, geborene Walther mit in die Ehe gebracht hatte. Die Grabstätte befindet sich auf der Westseite des Petersfriedhofes in Frankfurt am Main.

 

Verschwägert mit der Bierbrauer-Dynastie Pettmann

Cornelia Walthers ältere Schwester ist Anna Sybilla Pettmann, geborene Walther (13.09.1661 Ffm – 26.08.1712 Ffm), die mit Bürger und Bierbrauermeister Andreas Pettmann dem Älteren (09.09.1656 Ffm – 07.04.1706 Ffm) in Frankfurt am Main verheiratet war und 8 Kinder hatte. Darunter Andreas Pettmann der Jüngere (gest. 1734), der bei der Beerdigung von Friedrich Georg Goethe im Jahr 1730 in einer der ersten drei Kutschen saß, was aus der überlieferten Trauerrede ersichtlich ist. JWG Goethes Vater Johann Caspar kannte auch dessen drei Brüder, die 1722, 1757 und 1760 verstarben.

Seine Tochter nannte Johann Caspar Goethe nach der Großmutter väterlicherseits „Cornelia“, seinen Sohn Johann Wolfgang Goethe (28.08.1749 – 22.03.1832, Ffm) nach dem Großvater Johann Wolfgang Textor d. Jüngeren (11.12.1693 – 06.2.1771, Ffm) .

Cornelia wurde am 7. Dezember 1750 in Frankfurt am Main geboren, also nur 15 Monate nach Johann Wolfgang Goethe. Cornelia und Wolfgang waren die einzigen der insgesamt sieben Kinder, die das Erwachsenenalter erlebten.

Andreas Pettmann der Jüngere (geb. 27.09.1681 in Frankfurt am Main, gest. 01.03.1734) hatte neun Kinder, davon eine Tochter namens Anna Sybilla Pettmann (geb. 02.10.1704  in Frankfurt am Main, gest. 04.12.1774). Diese heiratete 1745 den Frankfurter Bürger und Handelsmann Johann Philipp Städel (* 1710, gest. 1751) und als dieser verstarb in zweiter Ehe 1752 Karl Ludwig Haußmann (*1709 – 1767).

 

Goethes Großmutter Cornelia soll eine sehr schöne Frau gewesen sein. Sie war die zweite Ehefrau Friedrich Georg Göthés und Tochter eines Frankfurter Schneidermeisters. Sie führte auf der Zeil selbst ein Gasthaus von Rang. Das Bild zeigt eine Frau von Stand mit wertiger ornamental reich verzierter Kleidung. Auch die Haube ist sehr kunstvoll gestaltet. Naheliegend, wenn der Ehemann „der“ Damenschneidermeister dieser Zeit war.

Ihre Eltern sind Georg Walther und Anna Margaretha Streng (Goethes Urgroßelternpaar 10/11). Ebenso ist dies das Urgroßelternpaar meiner Familie Pettmann, Cornelias Schwester Anna Sybilla, die Andreas Pettmann heiratete und deren Stammbaum 1.173 Nachkommen hervorbrachte. Diese Linie stellt den größten Personenumfang aus Goethes Nachkommenschaft von Ahn 10/11 Georg Walther, 1638-1704, Schneidermeister in Ffm und Anna Margaretha Streng (1638-1709) dar. Die Linie Pettmann verzeichnet 16 Bierbrauermeister, 8 Bierbrauer und 3 Gasthalter/Bierschenke.

Dies alles liest man unter anderem in dem Buch von Prof. Siegfried Rösch „Goethes Verwandtschaft – Versuch einer Gesamtverwandtschaftstafel mit Gedanken zu deren Theorie“ und deren Ergänzung „Monsieur Göthé – Goethes unbekannter Großvater“, die gerade 2017 in Berlin vom Autorentrio: H. Boehncke, H. Sarkowitcz und J. Seng im Verlag „Die Andere Bibliothek“ erschienen ist. Auch eine FAZ-Rezension vom 22. August 2017 von Tilman Spreckelsen existiert.

Link:  https://www.perlentaucher.de/buch/heiner-boehncke-hans-sarkowicz-joachim-seng/monsieur-goethe.html

 

Aus der Quelle „Die angenehme Lage der Stadt Frankfurt am Main“ vom Historischen Museum Frankfurt 1954 ist folgendes überliefert:

 Von den Höfen um die Stadt Frankfurt am Main

„Neben den Gartenhäusern lagen im 18. Jahrhundert am Außenrande der Gemarkung zahlreiche Gutshöfe. Viele dieser Höfe um Frankfurt hatten ein hohes Alter. Sie gehörten den alten Frankfurter Geschlechtern und erfüllten eine wichtige Funktion. Die Stadt Frankfurt war in ihren Mauern von „Städtern“ bewohnt, in der Stadt saßen Handwerker, Handelsleute, Beamte und andere Vertreter rein städtischer Berufe. Lediglich der Stadtteil Sachsenhausen hatte eine teilweise bäuerliche Bevölkerung, die den „Garten der Stadt“, den Sachsenhäuser Berg, bewirtschaftete. Die Gutshöfe um die Stadt hatten die Aufgabe, das weite Gebiet der Stadtgemarkung landwirtschaftlich zu nutzen. Da sie außerhalb der Mauern lagen, hatten sie im Mittelalter oft den Charakter einer Burg; sie waren manchmal mit Wassergräben umgeben und mit Zugbrücken versehen. Die alten Frankfurter Adelshöfe zählt uns Johann Bernhard Müller auf: „Nicht weniger sieht man um unsere Stadt die annehmlichsten Meier-Höfe und Land-Güter, welche teils der Stadt, teils den Patriciis oder anderen Personen zustehen. Die ansehnlichsten unter denen, so den Frankfurtischen adeligen Geschlechtern zugehören, sind die beiden Ketten-Höfe, der Rulandshof, die beiden Holzhausischen Höfe, der Stalburgische Hof, der Glauburgische Hof, der Kühorns-Hof, welche meistens sehr einträgliche Höfe sind und allesamt ihre eigenen Ländereien haben.

Unter denen andern sind vornehmlich der Gutleute-Hof, welcher der Stadt zugehöret und seine eigene Kirche hat, der Heller-Hof und der Rebstock, welche eine Viertelstunde vor dem Gallen- und Bockenheimer Tor gelegen; der Rieder-Hof vor dem Allerheiligenthor. Auf der Sachsenhäuser Seite liegen der Riedhof, Sandhof, Goldstein, der Schaafhof, der Seehof, der Wildhof, die Deutschherren-Mühle, die Ziegelhütte und andere mehr.“

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts strebten die reichgewordenen Familien danach, ein „Hofgut“ in der Nähe der Stadt zu besitzen. Im Affensteiner Feld, westlich der Eschersheimer Landstraße, hatte schon im Jahre 1710 der Bürger und Bierbrauermeister Andreas Pettmann der Ältere einen Glauburgischen Hof gekauft, der am Ende des Jahrhunderts von Andreas Pettmann dem Jüngeren in den Besitz von Bethmann-Metzler überging. Im Jahre 1790 hieß der Hof „Bethmanns Gut“.

Mehr demnächst…

 

 

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