Das Wunder von Mals – Wie ein Dorf der Agrarindustrie die Stirn bietet / Alexander Schiebel

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Foto: Verlag oekom

„David gegen Goliath im Kampf um eine Zukunft ohne Glyphosat & Co.“

Das Buch „Das Wunder von Mals“ von Alexander Schiebel, erschienen im oekom-Verlag im September 2017 (Preis: 19,00 €) rüttelt wach. Und zeigt, dass sich der Protest gegen die Agrarlobby mit einem Quäntchen Eigensinn und ein bisschen Ausdauer, getragen von einem tiefen Vertrauen, dass alles letztendlich gut enden wird, gewinnen lässt. So schreibt Alexander Schiebel auf der letzten Seite seines Buches. Und meint: „Was die Malser können, können wir auch…“

Es geht um den unverantwortlichen Einsatz von Pestiziden. Um den Kampf gegen Bauernbund, Landesregierung und Agrarindustrie. Die 5000-Seelen-Gemeinde Mals in Südtirol lehnt sich erfolgreich gegen den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft auf. Sie wollen eine Zukunft ohne Glyphosat & Co. Es ist eine Anleitung zum Widerstand.

Mit den großflächig angelegten Apfelplantagen tauchten 2010 in dem idyllisch gelegenen Tal auch die ersten Pestizidwolken auf. Monokulturen und Massenproduktion sind sehr anfällig für Schädlinge und brachten einen erhöhten Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln mit sich. Der Boden laugt aus und wird zerstört.

Wirtschaftliche Interessen führen dazu, dass die Politik zulässt, dass wir dauerhaft mangelhaft überprüften Giftstoffen ausgesetzt sind. Die Wissenschaft wird zur Marionette der Industrie. Obwohl viele Studien die Gefährlichkeit der Pestizide für Mensch, Tier und Umwelt offenbaren, ist das Thema Pestizide immer noch ein Tabu-Thema. Zu schwierig. Zu unangenehm. Zu komplex.

Hiermit räumt Schiebel auf. Allgemeinverständlich beschreibt der Autor und Filmemacher die Essenz vieler Studien, schildert die Gespräche mit den Dorfbewohnern, bringt uns die Menschen ganz nah, ja, zog für seine Recherchen sogar nach Mals, um das Thema umfassend zu beleuchten. Immer wieder lese ich Sätze, die ich mir wie Zitate unterstreiche. Das Buch nimmt mich in Bann, lässt mich nicht mehr los. Es macht sehr betroffen und nachdenklich und ich kann es nur in kleinen Happen lesen und verkraften. Auch das ein Grund, warum ich so lange brauche, bis die Rezension fertig ist. Ich diskutiere mit Freunden und Bekannten darüber, empfehle das Buch unbedingt gründlich zu lesen, weise immer wieder darauf hin. Beginne, mehr zum Thema zu recherchieren und werde immer nachdenklicher.

So wie Albert Schweitzer zitiert wird mit: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“ sollten wir doch alle fühlen und handeln. Und doch tickt die Welt anders. Unnachgiebig, gierig, gewalttätig. Globale Bedrohungen werden verheimlicht und herabgespielt. Die Belastungsgrenze unseres Planeten ist am Limit. Die Zerstörung der eigenen Lebensgrundlage schreitet täglich voran. Dies zeigt sich mit grausiger Deutlichkeit nur jenen, „die sich ein bisschen genauer mit dem Thema beschäftigen“, so Schiebel. Und doch lohnt sich beharrlicher Widerstand.

Laut Weltagrarbericht sind Investitionen in die kleinbäuerliche Produktion das beste Mittel, um die ökologischen Schäden der Landwirtschaft zu minimieren und Hunger und Fehlernährung zu bekämpfen. Doch: „Obwohl die Produktivität pro Fläche in kleinen, diversifizierten Bauernhöfen viel höher ist als in intensiven Bewirtschaftungssystemen, werden sie weiterhin von der offiziellen Agrarforschung vernachlässigt“, heißt es dort weiter. Die Jagd nach kurzfristigen Profiten korrumpiert die Wirtschaft als auch die Politik.

Das Buch liefert wichtige Lösungsansätze, informiert auch über Ursachen des Klimawandels, Bodenerosion, oder der immer stärker abnehmenden Biodiversität. Probleme, die hausgemacht und deren unumkehrbare Folgen bekannt sind. Es ist ein Aufruf zum Umdenken und Hinterfragen. Wissenschaftlich fundiert und doch philosophisch. Ein Mutmacher sogleich bei sich und im eigenen Umfeld damit anzufangen!

Fazit: Unbedingt lesen und runter von der Gleichgültigkeits-Couch!

Dies ist eine Rezension von Petra Pettmann M.A.

Journalistin DJV

Mai 2018

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